Das Überleben im „Second Machine Age“ oder


Wie wir vermeiden können zum Dinosaurier zu werden.

Ein Beitrag von Matthias Binder – Referent der AgenturQ

„Unsere Welt ändert sich sehr rasch. Diejenigen, die darauf reagieren, überleben. Die anderen verschwinden wie die Dinosaurier.“ meint Peter Trawnicek, Country Manager Österreich bei VMware, einem Unternehmen, das sich mit Virtualisierung beschäftigt. Glaubt man dieser Prophezeiung heißt das für Unternehmen: Vorausschauen, Strategie anpassen und dann vor allem auch Mitarbeitende für die „neue“ Welt qualifizieren.
Was aber macht diese neue Welt der digitalen Wirtschaft aus? Wir behaupten, dass es nicht so sehr die digitalen Technologien selbst sind, sondern ganz andere Aspekte.

Digitale Wirtschaft bedeutet auch neue Geschäftsmodelle

Digitale Technologien sind die Basis der aktuellen Veränderungen – aber eben auch nicht mehr. Dazu ist interessant, was die renommierten amerikanischen Professoren Brynjolfsson und McAffee in ihrem Buch The Second Machine Age schreiben. Auch sie sehen das exponentielle Wachstum der Computertechnologie nur als Ausgangspunkt. Ein Wachstum, dass sich darin äußert, dass immer mehr Rechenleistung für immer weniger Geld verfügbar ist. Voll-funktionsfähige PCs – oder eben Smartphones – werden für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich.
Es folgt die „digitization of just about everything“. Das heißt, alle möglichen Daten werden in die digitale Welt übertragen – seien es Straßenkarten oder Lieferservices, Unternehmenspräsentationen oder die Zimmervermittlung. Schließlich gibt es ausreichend Personen, die die digitalen Angebote abrufen (können). Außerdem gilt: Einmal digital verfügbar, lassen sich Daten ohne weitere Kosten beliebig oft kopieren. Eine fantastische Basis für neue Geschäftsmodelle!
Schließlich messen die Autoren den „rekombinanten Innovationen“ große Bedeutung bei. Innovationen also, die eben nicht radikal neu sind, sondern bestehende Lösungen auf neue Art und Weise kombinieren und dadurch Mehrwert schaffen. Nehmen Sie als Beispiel Uber, die private (Taxi-)Fahrer und Smartphone-Apps kombiniert haben oder Southwest Airlines, die günstige Preise und erstklassigen Service vereinen.

Jedes Unternehmen kann betroffen sein

Erfolg in der digitalen Wirtschaft muss also scheinbar nicht immer durch eine Revolution begründet werden. Aber: Die digitale Innovation kann überall stattfinden. Sie kann jede Branche und jedes Unternehmen betreffen. Auch wenn niemand damit gerechnet hat. Nicht umsonst musste ein großer deutscher Softwarekonzern Marktanteile an einen kleinen aber schnell wachsenden Anbieter mit Cloud-Technologie abtreten. Nicht umsonst zerlegen deutsche Autobauer Elektroautos von TESLA. Und nicht umsonst zittern Banken und Versicherer angesichts aufstrebender FinTechs.
Und genauso kann es überall passieren. Und wer einmal abgehängt wird, hat es schwer wieder aufzuholen. Die Marktmacht liegt zunehmend bei dem Unternehmen, das „zuerst da war“ (first-mover advantage). Dabei verändert sich die Wirtschaftswelt in immer kürzeren Zyklen. Sie wird komplexer. Dadurch ist häufig unklar, wohin die Entwicklung führt und welche Aktionen welche Wirkungen hervorrufen. Aus alledem folgt aber, dass es essentiell ist neue Entwicklungen schnell aufzugreifen. Oder sie sogar vorwegzunehmen und selbst ins Spiel zu bringen. Gelingt dies nicht, besteht tatsächlich die Gefahr „zu verschwinden wie die Dinosaurier.“.

Weiterbildung als Schlüssel(re)aktion

Um in der digitalen Welt zu bestehen, braucht es Mitarbeitende, die in der Lage sind innovative Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu entwerfen, neue Technologien zu entwickeln und damit umzugehen. Das erfordert eine stetige und zukunftsorientierte Weiterbildung auf allen Ebenen. Von der Ingenieurin bis zum ungelernten Arbeiter sollte jeder für ihren/seinen Bereich auf die Arbeitswelt 4.0, auf das Second Machine Age vorbereitet werden.
Was aber bedeutet das konkret für die Weiterbildung?

Neues Vorgehen für fachliches Training

Fachliche Kenntnisse und Fähigkeiten eignen sich Beschäftigte zukünftig vermehrt im Selbstlernprozess unter fachlicher Begleitung an. Wird eine neue Technologie relevant oder eine neue Maschine angeschafft, kann z.B. ein kurzer theoretischer Impuls am Anfang stehen. Dann werden die Teilnehmenden schnell selbst aktiv. In einem geschützten (vielleicht sogar virtuellen) Raum experimentieren sie mit der neuen Technologie. Im Alltag wird das Gelernte umgesetzt und weiter geübt. Unterstützung kommt idealerweise von professionellen, internen Lernbegleitern. Die gemachten Erfahrungen werden abschließend nochmal reflektiert und damit verfestigt.

Zukünftig wichtig: Digital Fluency, Interdisziplinarität, Sozialkompetenz

Neben solchen fachlichen Trainings wird auch mehr Training zum Umgang mit digitalen Geräten und Programmen erforderlich sein („Digital Fluency“). Hier gilt es insbesondere die Personen mitzunehmen, die damit bislang wenig Kontakt hatten. Sei es der altgediente Produktionsplaner, der heute bei der Programmierung kollaborativer Roboter unterstützen soll. Sei es die Arbeiterin am Band, die auf einmal nicht mehr manuell Teile zusammenfügt, sondern eine komplexe, vernetzte Maschine steuern und Störungen selbstständig beheben soll.
Diese Vernetzung bedeutet übrigens auch, dass Mitarbeitende an ein ganzheitliches, interdisziplinäres Verständnis ihrer Arbeit herangeführt werden. Zukünftig werden sie wahrscheinlich Entscheidungen treffen und Aktionen ausführen, die sich auf vor- und nachgelagerten Schritten in der Wertschöpfungskette auswirken.
Das macht die Schulung sozialer Kompetenzen unerlässlich. Schließlich wird durch diese Entwicklungen mehr Kommunikation notwendig. Der positive Nebeneffekt: Beschäftigte werden behutsam auf ein höheres Qualifizierungsniveau gehoben. Und das ist notwendig. Denn eines kann nicht wegdiskutiert werden: Tätigkeiten mit hohem Routine-Anteil werden wesentlich stärker von der Automatisierung durch Roboter und Algorithmen betroffen sein, als solche, die soziale oder kreative Intelligenz erfordern.

Mitarbeitende aller Qualifikationsebenen mit in die Zukunft nehmen

Die Förderung dieser sozialen und kreativen Intelligenz setzt dabei freilich an ganz unterschiedlichen Ausgangspunkten an – in manchem Falle mag sich ein langer Qualifizierungsweg abzeichnen. Und genau deshalb ist es wichtig, bereits heute für die digitale Wirtschaft zu qualifizieren. Geschieht das nicht, droht Einzelpersonen Arbeitslosigkeit, Unternehmen Fachkräfteknappheit. Es wird niemand da sein, der die Maschine adäquat bedienen, warten und für sie Programme schreiben kann. Angesichts der aktuellen Entwicklungen – gerade auch in anderen Ländern – ein unvertretbares Risiko. Weiterbildung liegt also gleichermaßen im Interesse von Beschäftigten und Unternehmern, wenn sie im „Second Machine Age“ nicht zu Dinosauriern werden wollen.
Wie das im Industriekontext – Stichwort Industrie 4.0 – gelingen kann, lesen Sie im nächsten Blogeintrag.

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