Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück (Benjamin Britten)


Das Jahr neigt sich dem Ende zu und entsprechend beenden wir mit diesem Beitrag unsere Blogreihe für das Jahr 2019. Im kommenden Jahr geht es dann mit spannenden neuen Beiträgen weiter. Auch an dieser Stelle möchten wir allen an der Arbeit der AgenturQ Interessierten ein fröhliches und besinnliches Weihnachtsfest sowie einen guten Start in das neue Jahr 2020 wünschen.

Immer wieder wurden wir in diesem Jahr gefragt, wie man es schaffen kann, mittels beruflicher Weiterbildung Arbeitsplätze zu sichern. Oder Beschäftigte in den unteren Lohngruppen, deren Tätigkeiten mittelfristig entfallen, für neue und höherwertige Tätigkeiten zu qualifizieren. Eine allgemein gültige Antwort auf diese und andere Fragen gibt es nicht. Wenngleich es wichtige Fragestellungen sind, denen wir uns als Denkfabrik im kommenden Jahr verstärkt widmen werden.

In 2019 abgeschlossen: Unser Projekt „Prospektive Weiterbildung für Industrie 4.0“

Einen Input haben wir aber auch schon in diesem Jahr gegeben. Auch wenn es lauter kleine Bausteine sind, kann hieraus eine Weiterbildungsstrategie entstehen. So haben wir das Projekt „Prospektive Weiterbildung für Industrie 4.0“ zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht. Mit dem Leitfaden für die betriebliche Praxis haben wir Unternehmen und Betriebsräten eine Ideensammlung an die Hand gegeben, wie Beschäftigte frühzeitig auf die sich durch Industrie 4.0 verändernden Arbeitsanforderungen qualifizieren können. Sie bietet die Grundlagen, mit denen ältere Beschäftigte, Un- und Angelernte, aber auch Fachkräfte zum Beispiel an das Arbeiten mit Robotern, ein verändertes Arbeitsprozesswissen 4.0, die Nutzung neuer technischer Assistenzsysteme oder das Arbeiten mit virtuellen Räumen herangeführt werden können. Hierauf können dann spezifische und passgenaue Weiterbildungsangebote non-formaler oder formaler Art aufbauen. Wir danken unseren Forschungspartnern am KIT, dem Wirtschaftsministerium als Fördermittelgeber und natürlich unseren Partnerunternehmen für die gemeinsame Durchführung des Projekts.

Ohne digitale Grundkompetenzen wird es nicht gehen. Wie können sie gestärkt werden?

In unserer Arbeit mussten wir feststellen, dass eine Voraussetzung für berufliche Weiterbildung in einer sich verändernden Arbeitswelt das Vorhandensein einer digitalen Grundkompetenz ist. Wenn ich mir den Umgang mit digitalen Medien/Werkzeugen nicht zutraue bzw. nicht das nötige Selbstvertrauen in der Bedienung besitze, kann eine Weiterbildung z.B. zur Erlangung neuer IT-Kompetenzen nicht gelingen. Doch die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt und umso wichtiger ist es, dass alle Beschäftigten über eine digitale Grundkompetenz verfügen. Ansonsten droht die Gefahr, dass sie abgehängt werden. Mit unserer Forschungskooperation DigiREADY mit der Universität Konstanz wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass dies nicht passiert. Wir haben uns ans Werk gemacht und möchten mit einer zu entwickelnden Toolbox Betriebsräten und Personalverantwortlichen zukünftig ein Instrument an die Hand geben, mit dem sie die digitale Grundkompetenz der Beschäftigten stärken können.

Erweiterung des AiKomPass um digitale Kompetenzen: Das neue Projekt AiKomPass-Digital

Natürlich lohnt auch der Blick darauf, über welche digitalen Kompetenzen Beschäftigte möglicherweise bereits verfügen, bevor ich eine innerbetriebliche Weiterbildung konzipiere oder eine externe Maßnahme buche bzw. einkaufe. Diese Kompetenzen müssen nicht immer offensichtlich sein, sie können auch informeller Natur sein. Wissen Sie zum Beispiel, ob Beschäftigte in ihrer Freizeit entsprechende Kurse bei der VHS belegt haben, privat am Abend an Computern bauen oder programmieren, oder sogar am Arbeitsplatz private digitale Medien einsetzen? Wenn dem nicht so ist, kann in Zukunft der um digitale Tätigkeiten erweiterte AiKomPass dabei helfen, solche Kompetenzen sichtbar zu machen. Auf dieser Grundlage kann dann in den jährlichen Qualifizierungsgesprächen gemeinsam geprüft werden, ob weiterführende Fortbildungen auf den vorhandenen Digitalkompetenzen aufbauen können. Zum 1. September haben wir das durch das Wirtschaftsministerium geförderte Projekt AiKomPass-Digital gestartet.

Berufliche Weiterbildung auf neue Beine stellen

Und wie kann berufliche Weiterbildung im Unternehmen dann ganz konkret umgesetzt werden? Am besten ohne großen Zeitaufwand und zu geringen Kosten? Wir sind der Auffassung, dass das geht. Natürlich sprechen wir in diesem Fall nicht von formalen Weiterbildungsangeboten mit einem Abschluss oder Zertifikatslehrgängen bei Bildungsanbietern. Sondern von innerbetrieblichen Weiterbildungsangeboten, die darauf abzielen, durch flexible und passgenaue Maßnahmen betriebsspezifische Qualifikationen der Beschäftigten zu erhalten bzw. anzupassen. Voraussetzung hierfür ist freilich, dass man sich die Zeit für die berufliche Weiterbildung nimmt, ein entsprechendes Weiterbildungsbudget einstellt und – ganz wichtig – Verantwortlichkeiten für die berufliche Weiterbildung definiert. Zugegeben, in der aktuellen wirtschaftlichen Situation ist dies schwierig, da auch an den Weiterbildungskosten gespart wird. Nicht vergessen werden darf, dass der Invest für berufliche Weiterbildung vielleicht zunächst als sehr groß erscheint, der Nutzen es aber auch ist. Doch während die Kosten direkt entstehen, stellt sich der Nutzen erst in der Zukunft ein. Umso wichtiger ist es, jetzt die berufliche Weiterbildung im Unternehmen auf neue Beine zu stellen.

Das Ideenportal Qualifizierung: Weiterbildung. Anders. Gestalten

Zur Gestaltung innerbetrieblicher Weiterbildungsangebote kann unser neues Ideenportal Qualifizierung wertvolle Vorschläge liefern. Seit November ist es online und bietet aufgrund konkreter Fragestellungen einen einfachen und intuitiven Zugang zu Informationen und Praxisvorschlägen zur Entwicklung einer Weiterbildungsstrategie, zur Schaffung von Grundlagen für eine nachhaltige Weiterbildungspolitik im Unternehmen und zum Aufbau von dringend benötigten Kompetenzen. Das Ideenportal bietet konkrete Leitfäden, die direkt angewendet werden können oder für das eigene Unternehmen angepasst werden können. Schauen Sie einfach mal rein und lassen Sie sich inspirieren. Eine Frage, zu der das Ideenportal Anregungen liefert, lautet beispielsweise „Wie ermöglichen wir Lernen während + durch die Arbeit?“ Eine Möglichkeit wäre, Arbeitsprojekte zu Lernprojekten zu machen. Der passende Leitfaden erklärt Ihnen, wie dies umgesetzt werden kann. Einen Überblick über die Möglichkeiten des Ideenportals bietet unser kurzes Erklär-Video.

Weiterbilden#Weiterdenken

Es ist viel passiert im vergangenen Jahr, wir haben viele Dinge angestoßen, auf die wir stolz sind und die es nun gilt, weiter voranzutreiben. Wir müssen „weiterbilden#weiterdenken“, so das Motto unserer diesjährigen Fachtagung, die wir gemeinsam mit der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt haben. Die gemeinsame Diskussion mit der Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Dr. Josephine Hofmann vom Fraunhofer IAO, Christian Rauch von der Bundeagentur für Arbeit, Dr. Stefan Wolf von Südwestmetall und Roman Zitzelsberger von Südwestmetall hat wichtige Impulse für das kommende Jahr gesetzt.

In Bezug auf die eingangs zitierten Fragen von Betriebsvertretern werden wir diskutieren müssen, ob es alleine mit beruflicher Weiterbildung gelingen kann, Arbeitsplätze zu sichern und auf neue Tätigkeiten zu qualifizieren. Oder ob es hierfür nicht eine viel stärkere Vernetzung unterschiedlicher Politikfelder benötigt. Diese Diskussion werden wir in unserem ersten Blog im neuen Jahr 2020 anstoßen.

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