Newsletter 1. Quartal 2020

Die Zukunft

beginnt mit

Qualifizieren


Inhaltsverzeichnis

Editorial

Neues aus der AgenturQ

Im Interview

Wissenswertes und Interessantes

Praxistipp


Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer denkt in der aktuellen Situation schon an berufliche Weiterbildung? In der Corona-Krise stehen die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie natürlich vor ganz anderen Herausforderungen. Wir wollen aber optimistisch sein und darauf hoffen, dass schon bald wieder ein Stück Normalität einkehrt und der Motor wieder anspringt. Dann brauchen die Unternehmen vor allem qualifizierte Mitarbeitende. 

Bis dahin können wir die Zeit nutzen und unser Wissen auffrischen. Das geht auch von zu Hause. Zum Beispiel durch das Lesen von Fachliteratur, durch den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen via Skype oder durch die Teilnahme an verschiedenen Onlineseminaren. Im Internet findet sich eine Vielzahl von Angeboten. In diesem Newsletter wollen wir Ihnen einige vorstellen. Natürlich stellen wir Ihnen auch die Förderbedingungen für berufliche Weiterbildung während Kurzarbeit vor. 

Wir freuen uns, dass Michael Brecht und Karl Schäuble bereits vor der Corona-Krise Zeit für ein Gespräch mit der AgenturQ gefunden haben. Einen Ausschnitt des Interviews finden Sie in diesem Newsletter. Zudem möchten wir Ihnen ein Update zu unserem aktuellen Projekt AiKomPass-Digital geben. Wir beschäftigen uns derzeit unter anderem mit der Frage, ob man bei der Sichtbarmachung von Digitalkompetenzen eigentlich noch zwischen beruflichen und privaten Tätigkeiten unterscheiden kann oder diese Grenzen zunehmend verschwimmen. Wir würden uns über Ihre Meinung hierzu sehr freuen. 

Die Mitarbeitenden arbeiten voraussichtlich bis zum 17. April im Homeoffice, sind aber weiterhin für Sie erreichbar. Sehr gerne können Sie mit uns einen Telefontermin verabreden, um über Ihr Anliegen zu sprechen.  

Das Team der AgenturQ wünscht Ihn viel Spaß und Interesse beim Lesen des Newsletters. Und natürlich alles Gute, vor allem Gesundheit und Durchhaltevermögen. 

Ihr 


Neues aus der AgenturQ

Wobei zeigen sich Digitalkompetenzen? 

Digitalisierung ist mehr denn je ein gefragtes Thema. Vor allem in der aktuellen Situation erfahren wir derzeit eine schlagartige Veränderung der Arbeitswelt, in der die Digitalisierung es ermöglicht flexibel handlungsfähig zu sein. Diejenigen, die können, verlegen ihren Arbeitsplatz an den heimischen Schreib- oder Wohnzimmertisch. Man sieht daran, dass sich die Unterschiede zwischen Arbeitsplatz und Wohnort in Folge der Digitalisierung auflösen. 

Dieser Punkt wurde gerade erst vor einigen Tagen im Beirat unseres Projekts AiKomPassDigital diskutiert. Das Instrument AiKomPass erfasst bisher berufliche und private Tätigkeiten, die insbesondere informelle Kompetenzen sichtbar machen. Mit dem aktuellen Projekt AiKomPassDigital wollen wir das bestehende Instrument erweitern und einen Beitrag leisten, zukünftig Digitalkompetenzen anhand konkreter Aufgaben und Tätigkeiten sichtbar zu machen.  

AiKomPass DigitalIn den ersten Überlegungen wurde noch zwischen fachlichen und überfachlichen Digitalkompetenzen unterschieden. Die fachlichen Digitalkompetenzen ergaben sich aus den beruflichen Anforderungen seitens der Ausbildungsverordnungen für Metall- und Elektroberufe. Bei den überfachlichen Digitalkompetenzen sollten digitale Grundkompetenzen, aber auch die im Rahmen der Digitalisierung wichtiger werdenden personalen Kompetenzen (bspw. Flexibilität) berücksichtigt werden.

Der Beirat diskutierte allerdings, ob die Grenzen zwischen privaten und beruflichen Tätigkeiten insbesondere im Bereich der Digitalkompetenzen nicht zunehmend fließend und damit auch nicht trennbar sind. Ein berechtigter Punkt, werden digitale Kompetenzen doch im privaten wie im beruflichen gebraucht. Beruflich wie privat schreiben wir E-Mails oder versenden Chat-Nachrichten. Ebenso digitalisieren sich auch ehrenamtliche Tätigkeiten zunehmend, z.B. im Vereinswesen. Mannschaften lassen sich über eine App koordinieren oder in der Verwaltung Mitgliedsdaten digital erfassen.

Doch welcher Systematik folgt man, wenn man nicht mehr zwischen beruflichen bzw. fachlichen und privaten Bereichen trennen kann? Welches sind die Tätigkeiten, die Ausdruck meiner Digitalkompetenzen sind?  

Eine erste Idee besteht bereits. Die Beiratsmitglieder haben vorgeschlagen, anhand von sogenannten geistigen Tätigkeiten (bspw. „organisieren“ oder „planen“) konkrete digitale Tätigkeiten zu definieren und diese weiter zu präzisieren. Dabei wird das Fachliche und das Private nicht getrennt betrachtet. So sind die Organisation des eigenen Kalenders oder auch die Planung von eigenen Vorhaben oder Aufträgen im privaten wie im beruflichen Kontext relevant und digital möglich. 

Dieser Impuls wird bei der AgenturQ für die weitere konzeptionelle Arbeit aufgenommen. Zusammen mit Unternehmen sollen anschließend praxisrelevante Tätigkeiten definiert und formuliert werden. Wenn Sie mit Interesse daran haben, sich mit Ihrem Unternehmen an diesem Prozess zu beteiligen, melden Sie sich bei Herrn Fleck unter 0711/3659188-18 oder fleck@agenturq.de


Im Interview

Die AgenturQ hat Michael Brecht, Konzernbetriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratsmitglied der Daimler AG, sowie Karl Schäuble, Geschäftsführer der ILLIG Maschinenbau GmbH und Vorstandsvorsitzender des Bildungswerks der Baden-Württembergischen Wirtschaft, zum Interview eingeladen. Beide sind Mitglieder der AgenturQ, die offiziell als Verein organisiert ist.  

Wir haben mit ihnen über ihre Sicht auf das Thema Weiterbildung und ihre persönliche Erfahrung damit gesprochen.

AQ: Herr Brecht, Herr Schäuble, herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. 

AQ: Herr Brecht, Sie haben sich über Ihr Berufsleben hinweg immer wieder weitergebildet, 2011 sogar ein berufsbegleitendes Studium abgeschlossen. Was motiviert Sie persönlich zu lebenslangem Lernen?  

Michael Brecht: Gerade in der heutigen Zeit, in der sich so vieles teils gravierend und schnell ändert, geht es ja gar nicht anders. In meiner Rolle muss und will ich zum Beispiel bei Zukunftsthemen, wie der Elektromobilität, auf Augenhöhe mitsprechen. Dafür muss ich dann natürlich entsprechend Bescheid wissen. Und das heißt für mich: Lernen. Abgesehen davon macht es einfach auch Spaß, sich mit neuen Themen zu beschäftigten und sich dadurch neuen Herausforderungen zu stellen. 

AQ: Wenn Ihnen ein Controller aber sagt, Weiterbildung ist zu teuer und kostet zu viel Zeit, was entgegnen Sie? 

Michael Brecht: Dass der Verzicht auf Weiterbildung langfristig noch viel teurer wird. Stellen Sie sich vor, unsere Kolleginnen und Kollegen sind nicht mehr in der Lage, mit der neuesten Technologie umzugehen, weil die Weiterbildung eingespart wurde. Was passiert dann wohl mit den Arbeitsplätzen? Was passiert mit dem Unternehmen als Ganzes? Wer nicht auf der Höhe der Zeit ist – und dazu bedarf es regelmäßiger Weiterbildungen – geht im heutigen, sehr dynamischen Wettbewerb unter.  

AQ: Herr Schäuble, in den Bilanzen taucht Weiterbildung aber nun mal zunächst als Kostenfaktor auf. Weshalb lohnt sich Weiterbildung aus Sicht der Geschäftsführung für die ILLIG GmbH trotzdem?  

Karl Schäuble: Sicherlich verursacht Weiterbildung Kosten, wir sehen sie jedoch als Investition in die Zukunft. Betrachten wir hierzu die vergangenen Jahrzehnte, dann hat sich Weiterbildung immer gelohnt, da wir mit unserem Mitarbeiterstamm nahezu jede technologische Veränderung realisieren konnten und wir gehen davon aus, dass wir dies in Anbetracht der anstehenden technologischen Herausforderungen wieder erreichen werden. 

[…] 

AQ: Welche drei Argumente würden Sie nutzen, um einen Vorstandskollegen von der Bedeutung des Themas Weiterbildung zu überzeugen? 

Karl Schäuble: Die allermeisten Kollegen muss ich nicht mehr überzeugen. Das Thema Weiterbildung ist bei den Unternehmen sehr präsent. Teilweise sind aber noch nicht alle Weiterbildungsmöglichkeiten und -formate bekannt. Hier würde ich sagen, nutze alle Möglichkeiten und Unterstützung auf dem Weiterbildungsmarkt. Allen anderen würde ich zurufen: Nutze Weiterbildung als Investition in die Zukunft! 

AQ: Apropos Zukunft – Herr Brecht, verraten Sie uns abschließend: Was ist Ihr nächstes Weiterbildungsprojekt? 

Michael Brecht: Auch im Gesamtbetriebsrat (GBR) sind wir für Weiterbildungen stets zu haben. So steht uns in Kürze ein Workshop zu agilem Arbeiten bevor. Wir möchten lernen, wie wir mithilfe agiler Arbeitsmethoden die Betriebsratsarbeit in Zeiten von steigender Komplexität und Geschwindigkeit bewältigen können. Einen besonderen Fokus legen wir hierbei auch auf die Zusammenarbeit zwischen den Gremien des GBR. 

AQ: Herr Schäuble, das letzte Wort haben Sie: Wann und wie haben Sie persönlich zuletzt gelernt? 

Karl Schäuble: Man muss unterscheiden zwischen formalem Lernen und informell erworbenen Wissen. Meine letzten formalen Weiterbildungen hatten ein Compliance Management System und Digitalisierungsstrategien zum Inhalt. Allerdings kann man sich dem Lernen eigentlich gar nicht entziehen. Jeden Tag lernt man Neues dazu.  

AQ: Herr Brecht, Herr Schäuble, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben! 

Das vollständige Interview finden Sie in unserem Ideenportal Qualifizierung und kann hier heruntergeladen werden.


Wissenswertes und Interessantes

Berufliche Weiterbildung in Kurzarbeit 

Unternehmen haben ein Interesse daran, nach der Corona-Krise über qualifizierte Mitarbeitende zu verfügen, mit denen gemeinsam schnell wieder ein Normalzustand erreicht werden kann. Es spricht daher viel dafür, die Kurzarbeit für die Weiterbildung der Beschäftigten zu nutzen. Auch während Kurzarbeit können unter den in § 82 SGB III definierten Voraussetzungen Weiterbildungsmaßnahmen durch die Bundesagentur für Arbeit gefördert werden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat in einer FAQ-Liste zum Thema Kurzarbeit und Qualifizierung alle wichtigen Informationen zusammengefasst (Stand: 23. März 2020). Da die Maßnahmen allerdings durch einen zertifizierten Träger außerhalb des Betriebs durchgeführt werden muss, ist ein entsprechendes Angebot der Weiterbildungsträger eine Grundvoraussetzung für die Weiterbildungsförderung. 


Teilnahme an geförderte Weiterbildungsmaßnahmen von zuhause 

Auch die Weiterbildungsträger in Baden-Württemberg sind von der Rechtsverordnung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus der Landesregierung betroffen und führen vorerst bis zum 19. April 2020 keine Präsenzveranstaltungen durch. Viele Angebote werden als arbeitsmarktpolitische Maßnahme durch die Bundesagentur für Arbeit gefördert werden. Um den Ausfall solcher Maßnahmen zu vermeiden, können aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit neben der Nachholung und Komprimierung der Inhalte auch digitale Lernformen wie zum Beispiel e-Learning, Videotelefonie oder ein virtuelles Klassenzimmer herangezogen werden. So kann den Weiterbildungsteilnehmenden eine ortsunabhängige Kommunikation und Lernmöglichkeit geboten werden, die unter die Fördervoraussetzungen nach § 82 SGB III fallen. Bitte sprechen Sie Ihren Weiterbildungsanbieter bezüglich alternativer Lernformate an. 


Förderung der beruflichen Weiterbildung im Strukturwandel 

Das Bundeskabinett hat am 10. März 2020 den Entwurf des Gesetzes zur Förderung der beruflichen Weiterbildung im Strukturwandel und zur Weiterentwicklung der Ausbildungsförderung (Arbeit-von-morgen-Gesetz) beschlossen.  

Vorbehaltlich der Zustimmung durch den Deutschen Bundestag wird das sogenannte Qualifizierungschancengesetz (§ 82 SGB III) in folgenden Punkten angepasst:  

  • In Zukunft verringert sich unabhängig von der Betriebsgröße die Mindestbeteiligung des Arbeitgebers an den Lehrgangskosten um fünf Prozentpunkte, wenn eine Betriebsvereinbarung über die berufliche Weiterbildung oder ein Tarifvertrag, der betriebsbezogen berufliche Weiterbildung vorsieht, vorliegt. Die Zuschüsse zum Arbeitsentgelt können bei Vorliegen dieser Voraussetzungen um fünf Prozent erhöht werden. 
  • Die Mindestbeteiligung des Arbeitgebers an den Lehrgangskosten verringert sich unabhängig von der Betriebsgröße um zehn Prozentpunkte, wenn die beruflichen Kompetenzen von mindestens zwanzig Prozent der Beschäftigten eines Betriebes den betrieblichen Anforderungen voraussichtlich nicht oder teilweise nicht mehr entsprechen. In diesem Fall können bei Vorliegen der Voraussetzungen die Zuschüsse zum Arbeitsentgelt um zehn Prozent erhöht werden. 
  • Bei der Feststellung der Zahl der Beschäftigten sind sämtliche Beschäftigte des Unternehmens, dem der Betrieb angehört, und, falls das Unternehmen einem Konzern angehört, die Zahl der Beschäftigten des Konzerns zu berücksichtigen. 
  • Des Weiteren können zukünftig Anträge auf Förderung der Weiterbildungskosten auch durch den Arbeitgeber gestellt und die Förderleistungen an diesen erbracht werden. Voraussetzung ist, dass der Antrag mehrere Beschäftigte betrifft, bei denen eine Vergleichbarkeit hinsichtlich Qualifikation, Bildungsziel oder Weiterbildungsbedarf besteht. Die Beschäftigten bzw. die Betriebsvertretung müssen ihr Einverständnis erklärt haben. 

Zusätzlich werden entsprechend des neue § 106a SGB III Arbeitgeber auf Antrag für den jeweiligen Kalendermonat 50 Prozent der von ihnen allein zu tragenden Beiträge zur Sozialversicherung in pauschalierter Form für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erstattet, wenn diese an einer beruflichen Weiterbildungsmaßnahme nach § 82 teilnehmen, deren zeitlicher Umfang mindestens 50 Prozent der Arbeitsausfallzeit beträgt. Die Arbeitsausfallzeit muss entsprechend mindestens 322 Stunden umfassen. 

Schließlich können laut dem neu gefassten § 111a SGB III in Zukunft unabhängig vom Berufsabschluss und Alter unter bestimmten Voraussetzungen alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die einen Anspruch auf Transferkurzarbeitergeld haben, bei Teilnahme an Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung, die während des Bezugs von Transferkurzarbeitergeld enden, durch Übernahme der Weiterbildungskosten gefördert werden.  


Sofortprogramm für eine Qualifizierungsoffensive im Automobilcluster Baden-Württemberg 

Das Staatsministerium Baden-Württemberg hat einen Konzeptentwurf für ein Sofortprogramm für eine Qualifizierungsoffensive im Automobilcluster Baden-Württemberg erarbeitet. Verschiedene Zeitungen haben hierüber berichtet, zum Beispiel die Stuttgarter Zeitung am 12. Februar 2020. Im besonderen Fokus des Konzepts stehen insbesondere Hochqualifizierte, deren Beruf sich aufgrund des Strukturwandels stark verändern oder deren Tätigkeit wegfallen wird. Das Staatsministerium will besonders eine Lücke in der Weiterbildung von Ingenieuren schließen. Gedacht wird an berufsbegleitende Aufbaustudiengänge. Das Papier zielt insbesondere auf kleine und mittelständisch geprägte Zulieferbetriebe in den besonders stark vom Strukturwandel des Automobilsektors betroffenen Regionen in Baden-Württemberg. 


Digitale Formate 

Es heißt ja, man soll nicht Wasser predigen und Wein trinken. In diesem Sinne sind wir bei der AgenturQ immer auch dabei uns selbst weiterzubilden. Wegen der aktuellen Situation muss das natürlich online gehen. So wie beim Corporate Learning Camp Digital, einem Barcamp (auch „Unkonferenz“), das digital stattgefunden hat. Unser Mitarbeiter Matthias Binder war zeitweise dabei. Er fasst hier zusammen, was er aus dieser – auch für ihn neuen – digitalen Weiterbildung mitnimmt:  

  • Zoom ist als Konferenzsoftware sehr gut geeignet, weil sie auch Möglichkeiten bietet, die Teilnehmenden selbst aktiv werden zu lassen. Auch die Audio-Kommunikation kann gut gesteuert werden. Manche Funktionen, z. B. das (freischaltbare) Kommentieren auf Folien bedarf aber einiger Erklärung. Das gilt umso mehr, wenn Teilnehmende generell wenig Erfahrung mit dem Lernen allgemein oder mit dem digitalen Lernen im Besonderen haben. 
  • Eines ist für mich jetzt ganz klar: Webinare und ähnliche Formate machen deutlich mehr Spaß, wenn man selbst aktive Aufgaben hat – und sei es nur, etwas zu markieren. 
  • Wenn Teilnehmende aktiv beitragen und mitdokumentieren sollen, ist es super ein geteiltes Dokument (z. B. mit Google Docs, padlet, …) zu verwenden und die Teilnehmenden selbst dort Einträge machen zu lassen. Das Ergebnis bzw. das wachsende Dokument kann live beobachtet werden. 
  • Auch bei Webinaren oder Online-Konferenzen ist es sehr sinnvoll, ein Intro zu machen, bei dem sich die Teilnehmenden etwas kennenlernen können. Das schafft auch digital eine gewisse Nähe. Das kann z. B. das stellen einer kurzen, einfachen Frage sein oder ein Stimmungsbarometer, oder eine Karte, auf der eingetragen wird, wer gerade von wo aus zugeschaltet ist, … 
  • Es spricht nichts dagegen auch online an ein ganz analoges Flipchart zu gehen. Das funktioniert genauso gut. Man muss dann nur auf den Bildschirmausschnitt achten. Es sollte alles Wesentliche zu sehen sein. 
  • Menti.com ist ein klasse Tool, um bei großen Gruppen schnell ein Meinungsbild abzufragen. Soweit ich das gehört habe, wird es auch bei Präsenzveranstaltungen erfolgreich eingesetzt. Auch das kann ich mir gut vorstellen. 
  • Schließlich: Einen ganzen Tag digitalen Formaten zu folgen, kann anstrengend werden – sei es nur, weil das Headset drückt oder ähnliches. Es ist auch einfach ungewohnt. Das Netzwerken geht nicht ganz so leicht. Trotzdem: Mit kurzen Pausen wie beim Barcamp ist das prima machbar. 
Lernen 

Es ist sehr sinnvoll sich selbst einen Rahmen für das Lernen zu setzen. Das heißt: 

  • Klare Lernziele setzen, statt (nur) reaktiv auf aktuelle Notwendigkeiten zu gehen. Lernziele helfen auch dabei irgendwann zu sagen: „Jawohl, ich habe mein Ziel erreicht. Klasse!“ Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Lernprozess zum Fass ohne Boden wird: er ist nie zu Ende, weil man ja noch nicht alles über das Thema weiß. 
  • Aus den Lernzielen klare To-dos/Aktionen ableiten – auch kleine – und möglichst sofort mit irgendetwas davon loslegen. 
  • Sparringspartner/Lerntandem, … suchen, um gemeinsam durch den Lernprozess zu gehen und neue Sichtweisen kennenzulernen. Die Idee der Lernbegleiter kennen wir bei der AgenturQ ja eigentlich schon lange… 

Offen bleiben für mich die Fragen: 

  • Woher nehme ich sinnvolle Lernziele? Oder ist alles sinnvoll, was mich interessiert? Wenn ich aber langfristig einen bestimmten Weg einschlage, dann sollte ich doch auch daran orientieren, was ich lerne… Denn die Entscheidung für das eine bedeutet – für den Moment – immer auch eine Entscheidung gegen das andere. 
  • Wie wähle ich aus, wo ich lerne? Welcher Anbieter, welche Plattform, welcher Kurs, welche individuelle Möglichkeit? Die Optionen sind unzählig. Das kann auch mal überfordern. Schließlich will ich meine Zeit (und ggf. mein Geld) gut investieren. 

Fazit: Coole Sache 

Ich kann jetzt natürlich noch vieles ergänzen: Es geht echt viel digital. Es gibt echt engagierte Leute hier in Deutschland und auf der ganzen Welt, die Weiterbildung, PE, OE, … auf das nächste Level heben und dafür vielfältige kreative Ideen haben. Klasse! Und die Ihre Ideen freimütig teilen. Danke dafür! 

Für mich war das jedenfalls ein sehr gelungenes Experiment. Ich habe extrem viel gelernt, bin vielleicht wieder ein Stückchen offener geworden. Und es ist ein tolles Beispiel dafür, wie man aus einer Problemlage auch eine Chance und ein tolles Ergebnis machen kann. 

Von Analog zu Digital in 2 Wochen 

Wie kam es überhaupt zu diesem digitalen Barcamp? Eigentlich hätte es an zwei Tagen ganz analog in Hamburg stattfinden sollen. Dann kam Corona. Und in 2 Wochen (von wegen lange Vorbereitung…) haben sich die Mitglieder der Corporate Learning Community Sessions ausgedacht, angeboten und passende digitale Tools dafür gefunden – und so das Ding in die digitale Welt überführt. 

Was bei den einzelnen Sessions besprochen wurde und was rauskam, können Sie hier nachlesen: https://bit.ly/ErgCLC. Viel Spaß dabei! 


Praxistipp:

Digitales Lernen

Corona – momentan ein allgegenwärtiges Thema. Was bedeutet es für die Weiterbildung? Was und wie können Beschäftigte lernen, wenn Sie daheimbleiben müssen und Reisen untersagt sind? Wie kann Qualifizierung digital erfolgen? In welcher Form kann digitale Qualifizierung für Beschäftigte eingesetzt werden, die viel unterwegs sind – im Vertrieb, im Kundenservice oder in der Instandhaltung zum Beispiel?  

Was ist Digitales Lernen? 

Die Digitalisierung verändert vieles und bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Auch in der Weiterbildung entstehen dadurch neue Möglichkeiten. 

  • Sie können Schulungsinhalte auch über digitale Wege vermitteln. 
  • Sie erhalten Zugriff auf zahlreiche – auch kostenlose – Lernangebote. 
  • Sie können Lernen im Seminarraum (analog) und Lernen im Internet (digital) verbinden („ Blended Learning“). 
  • Ein Modell des Blended Learning ist der Flipped Classroom – das heißt so viel wie „umgekehrtes Klassenzimmer“. Lernende bereiten mit online verfügbaren Aufträgen und Lernmaterialen selbstständig eine Präsenzveranstaltung vor. Dort liegt der Fokus dann ganz auf Diskussion, Anwendung und Vertiefung des Gelernten. 

Welchen Nutzen hat Digitales Lernen für uns? 

Digitale Lernangebote sparen Reisezeiten und -kosten und schonen die Umwelt. Sie stärken unabhängig vom Inhalt die digitalen Fertigkeiten der Beschäftigten. Auch die Selbstständigkeit und die Fähigkeit zum selbstgesteuerten Lernen wird gesteigert. Inhaltlich ist digitales Lernen besonders geeignet für die Vermittlung von Fachwissen.  

Wie können wir Digitales Lernen anwenden? 

Wollen Sie…? 

… eigene Inhalte vermitteln 
 
Das geht auch auf die Schnelle. Es ist einfacher als es klingt.
Bestimmt haben Sie im Betrieb Software für die digitale Kommunikation, z. B. Skype for Business, zoom, GoToMeeting, Webex oder ähnliches. Diese Software kann normalerweise auch über private PCs genutzt werden. 
Achten Sie darauf – je nach Zielgruppe – genau zu erklären, wie die Anwendung auf dem (privaten) PC funktioniert. Probieren Sie es am besten zunächst selbst aus. 
… Lernmaterial aus dem Internet nutzen 
 
Im Internet finden sich bereits heute viele kostenlose Lernangebote zu den verschiedensten Themen. Warum also das Rad neu erfinden?  
 
Unter anderem gibt es sogenannte MOOCs, Massive Open Online Courses. Also digitale Lernangebote, die kostenfrei sind und von sehr vielen Leuten gleichzeitig genutzt werden können. 
 
MOOCs können Sie z. B. hier suchen. 
Eine bestehende Schulung – etwa zur Vermittlung von Fachwissen – kann in einem selbstgesteuerten, teil-digitalen Format z. B. so aussehen: 

08.00 Uhr: Start des Lerntags mit einem Online-Meeting. Es wird das Vorgehen erklärt. Sie legen für/mit den Lernenden Lernziele, vorgesehene Lernmaterialien, Lernzeiten usw. fest.
09:00 Uhr: Die Lernenden beginnen mit den bereitgestellten Materialien den selbstorganisierten Lernteil. Gerade zu Beginn sollte die Trainerin/der Trainer per Chat, Telefon oder E-Mail zur Beantwortung von Fragen verfügbar sein.
11:45 Uhr: Kurz-Online-Meeting, Erfahrungsaustausch. 
12:00 Uhr: Mittagspause. 
12:45 Uhr: Zweiter Lernteil (wie 09:00 Uhr). 
14:30 Uhr: Abschluss-Online-Meeting: Klärung offener Fragen, Diskussion des Gelernten, Zusammenführung der Erkenntnisse. 
16:00 Uhr: Die Lernenden fassen in einer kurzen E-Mail an die Trainerin/den Trainer nochmal ihre zentralen Erkenntnisse aus dem Tag zusammen. 
16:30 Uhr: Ende der Weiterbildung
Gerade wenn Sie von Beschäftigten erwarten, dass Sie diese Kurse selbstorganisiert absolvieren, ist es wichtig, den Lernprozess zu begleiten.

Das geht z. B. 
– mit begleitenden Online-Sitzungen zur Klärung von Fragen zum Inhalt und zum Lernprozess.
– über ein Forum oder eine anderweitige Austauschplattform. 
– über die Definition eines Ansprechpartners, der per Chat, Telefon, E-Mail, … zur Verfügung steht. 
 
Wenn Sie solche Angebote auch für Facharbeiter/innen nutzen möchten, prüfen Sie die Inhalte sorgfältig. Sind Sie für die Zielgruppe geeignet? 
 
Vielleicht werden Sie auch an anderer Stelle fündig. Interessant ist etwa das Angebot von Universal Robotics für eine kleine Online-Schulung zur Roboter-Programmierung oder ein Kurs, um das (selbstgesteuerte) Lernen zu lernen

Natürlich gibt es weitere Möglichkeiten, online zu lernen. Sie können zum Beispiel ein Forum für Ihre Lernenden einrichten. Dafür eignet sich das Intranet oder das interne soziale Netzwerk Ihres Unternehmens. Oder Sie verwenden eine Software wie Slack, die kostenlos verfügbar ist. Slack dient dazu digital schriftliche Nachrichten auszutauschen. Die Nachrichten können dabei auch thematisch strukturiert werden. 

In Zukunft können Sie Online-Lerneinheiten gezielt aufzeichnen und für die Lernenden dauerhaft zur Verfügung stellen. Oder Sie drehen kleine Lernvideos. Dafür gibt es bereits viele kostenlose Softwares am Markt, der Aufwand ist überschaubar. 

Wo liegen Risiken? 

Digitale Lernangebote fordern einiges an Eigenmotivation von den Lernenden. Halten Sie Lerneinheiten eher kurz, um einen guten Lerneffekt zu erzielen, ansonsten sinkt die Aufmerksamkeit zu stark. Sorgen Sie für klare Anlaufstellen für die Lernenden, um Fragen zu klären. Im Idealfall ermöglichen Sie den Austausch mit anderen Lernenden. 

Es ist noch wichtiger, als beim analogen Lernen, darauf zu achten, ob der Lerninhalt auf die Vorkenntnisse der Zielgruppe passt. Oft ist es schwierig, den Inhalt spontan auf die Interessen und Fähigkeiten der Teilnehmenden anzupassen. Digitales Lernen setzt auch ein Mindestmaß an digitalen Kompetenzen voraus. Ein PC und ggf. ein Smartphone sollten sicher bedient werden können.  

Auch die Gestaltung digitaler Lerneinheiten verlangt Sorgfalt. Übertragen Sie (bewährte) Konzepte nicht ungeprüft ins Digitale. Fragen Sie sich: Was ist geeignet? Wo muss ich Einheiten unterteilen, um die Aufmerksamkeit zu erhalten? Wie können Gruppenarbeiten digital erfolgen? In einem Blog-Artikel des Swiss Competence Center for Innovation in Learning erfahren Sie mehr darüber. 

Digitales Lernen zu gestalten, ist nicht schwieriger als beim analogen Lernen. Es ist aber oft ungewohnt. Und da hilft nur: Ausprobieren, Beobachten, Verbessern. Legen Sie los! 

Wenn Sie sich darüber austauschen wollen oder sich Unterstützung wünschen: Wir sind gerne für Sie da! 


Onlinelernen – kostenfreie und kostengünstige Angebote

Im Internet gibt es eine Vielzahl von Onlinekursen, an denen Sie ganz bequem aus dem Homeoffice teilnehmen können. Sie decken ein breites Themenfeld ab. Unter anderem gibt es eine große Auswahl an Kursen rund um die Themen Transformation, Industrie 4.0, Nutzung des Internets und Programmierung und auch zum Lernen im digitalen Zeitalter. 

Wir haben uns für Sie schlau gemacht und Ihnen eine kleine Auswahl von aus unserer Sicht passenden Angeboten zu diesen Themen zusammengestellt. Manche Angebote sind kostenpflichtig, viele sind aber auch kostenlos. Vielleicht ist ja etwas für Sie dabei. Schauen Sie gleich rein!

Eines können wir Ihnen versprechen: Sollte Sie das Thema fesseln, geht durch den Besuch des Onlinekurses die Wartezeit bis zum Ende der Corona-Krise viel schneller vorbei.