Neues aus den Projekten – 2020-3

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Neues aus den Projekten

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Digitale Grundkompetenz der Beschäftigten als Voraussetzung für den digitalen Wandel

Die Gestaltung der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt setzt voraus, dass alle Mitarbeitenden über eine hohe digitale Grundkompetenz verfügen. Sie setzt sich dabei aus mehreren Faktoren zusammen: Die digitale Grundkompetenz beschreibt die Fähigkeit, zuverlässig angestrebte Ziele mit Hilfe von digitalen Technologien zu erreichen. Eine digital gewandte Person ist souverän im Umgang mit digitalen Technologien – was aber nicht mit Technikaffinität gleichzusetzen ist. Eine digital kompetente Person muss nicht unbedingt einen vermehrten Nutzen von digitalen Technologien sehen, vielmehr zeichnet sie sich dadurch aus, dass sie die Anwendung solcher Technologien an übergeordneten Zielen ausrichtet.

Viel Licht, aber auch Schatten. Erste Ergebnisse des DigiREADY-Projektes

Uns interessiert, wie es um die digitale Grundkompetenz der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie bestellt ist und wie die Stärkung digitaler Grundkompetenz durch berufliche Weiterbildung unterstützt werden kann. Aus diesem Grund wurden im Rahmen des DigiREADY-Projektes in den letzten Monaten an zwei Standorten eines Partnerunternehmens über 1000 Mitarbeitende befragt. Dadurch war es uns möglich, die digitale Grundkompetenz der Beschäftigten zu erfassen und mithilfe verschiedener Umfragetechniken zudem die Weiterbildungspräferenzen der Mitarbeitenden herauszufiltern. Im Folgenden möchten wir nun die ersten Ergebnisse einer vorläufigen Bedarfsanalyse vorstellen, aus denen auch Rückschlüsse für die Weiterbildungspolitik in anderen Unternehmen gezogen werden können.

Grundsätzlich positiv zu bewerten ist, dass in unserer Auswertung der Großteil der Beschäftigten hinsichtlich der digitalen Grundkompetenz hohe Werte zu verzeichnen hatte. Jedoch wurde in unseren ersten Auswertungen auch deutlich, dass der Grad an digitaler Grundkompetenz je nach Alter der Befragten und Bildungshintergrund stark variiert. Besonders bei Mitarbeitenden der Altersgruppe „51 Jahre und älter“ kam zum Vorschein, dass diese ihre digitale Grundkompetenz niedriger einschätzten, während Beschäftigte der Altersgruppe „18 bis 30 Jahre“ deutlich höhere Werte aufwiesen. Zu ähnlichen Schlüssen kamen wir auch bei der Analyse der verschiedenen Bildungshintergründe. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je höher der Bildungsabschluss, desto höher die digitale Grundkompetenz. Allerdings muss hier angemerkt werden, dass ein Großteil der Befragten akademische Abschlüsse aufzuweisen hatte, weshalb die Verteilung an dieser Stelle ein wenig verzerrt ist und keine eindeutigen Rückschlüsse zulässt.

Unsere Empfehlung: Weiterbildungsbereitschaft und Partizipation stärken

Ähnliche Ergebnisse spiegeln sich auch beim Blick auf die Weiterbildungsbereitschaft und tatsächliche Teilnahme wider. Es kann hervorgehoben werden, dass die generelle Weiterbildungsbereitschaft bei den Beschäftigten in unserem Partnerunternehmen sehr hoch ist. Eine deutliche Mehrheit der Befragten gab an, sich freiwillig zu Themen weiterbilden zu wollen – auch wenn dies außerhalb des eigenen Fachgebiets läge, aber dem Unternehmen einen Mehrwert bieten würde. Dennoch lässt sich festhalten, dass auch bei diesen Ergebnissen ein Alterseffekt zu beobachten ist: Mit steigendem Alter sinkt die grundsätzliche Weiterbildungsbereitschaft. Zwar liegen die Werte hier immer noch in einem zufriedenstellenden Bereich, doch sollten Management und Führungskräfte darauf achten, für ein positives Weiterbildungsklima im direkten Arbeitsumfeld zu sorgen und die Wertschätzung und Unterstützung der direkten Vorgesetzten für Mitarbeitende aller Alters- und Bildungsgruppen zu gewährleisten.

Anders als die generelle Weiterbildungsbereitschaft ist jedoch die letztendliche Teilnahme an Weiterbildungen zu bewerten. Mehr als die Hälfte der Befragten hat in den letzten zwei Jahren gar nicht oder maximal an zwei freiwilligen Weiterbildungen teilgenommen, die innerhalb des Unternehmens organisiert waren. Bei freiwilligen Weiterbildungen außerhalb des Unternehmens lag dieser Anteil sogar bei über 80 Prozent.

Diese geringe Teilnahme an Weiterbildungen kann verschiedenen Ursachen wie unterschiedlichen Weiterbildungspräferenzen oder einem unübersichtlichen und nicht passgenauen Weiterbildungsangebot geschuldet sein. Aus diesem Grund beinhaltet das DigiREADY-Projekt auch die Konzeption eines Werkzeugs für die betriebliche Weiterbildung, welche eine individuell zugeschnittene Handlungsempfehlung für die Weiterbildung innerhalb des Unternehmens vornimmt. Hier kommt es auch darauf an, den Mitarbeitenden einen hilfreichen Überblick über verschiedene Arten von Weiterbildungen geben zu können: Schließlich gab bei unserem Partnerunternehmen die Mehrheit der Befragten an, die digitalen Lernangebote des Unternehmens für unübersichtlich zu halten.

Die Schlüsselrolle liegt bei den Führungskräften

Im Hinblick auf eine Erhöhung der Weiterbildungsbeteiligung und in der Folge auch der digitalen Grundkompetenzen, zeigen unsere bisherigen Auswertungen in eine deutliche Richtung: Mitarbeitende, die sich regelmäßig mit ihrer Führungskraft über Weiterbildungsmöglichkeiten, aber auch über neue Karrierewege innerhalb des Unternehmens austauschen, weisen besonders hohe digitale Grundkompetenzen auf. Auf der anderen Seite zeigen unsere vorläufigen Auswertungen aber auch die Kehrseite dieser Erkenntnis: Beschäftigte, die angaben, dass ihre Führungskraft sie hinsichtlich Weiterbildungen, Entwicklungsmöglichkeiten oder zukünftiger Karriereziele nicht ausreichend unterstütze, wiesen deutlich geringe Werte an digitalen Grundkompetenzen auf.  Ebenso war diese Gruppe wesentlich unzufriedener mit ihrer generellen Berufssituation, während Beschäftigte, die hohe Werte an Führungskräfteunterstützung zu verzeichnen hatten, auch deutlich zufriedener waren. Daher ist es wichtig, Führungskräfte für ihre Verantwortung für die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeitenden zu sensibilisieren und trainieren. Auch ist es wichtig, das Weiterbildungsangebot im Unternehmen übersichtlich zu gestalten, damit Führungskräfte in den Qualifizierungsgesprächen mit ihren Mitarbeitenden passende Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung besprechen können.

Ausblick

Diese ersten Ergebnisse spiegeln nur einen Teil des DigiREADY-Projektes wider. Um den digitalen Wandel bewältigen zu können, bedarf es der detaillierten Betrachtung der Strukturen innerhalb des Unternehmens und der Mitarbeiterpräferenzen. Der Großteil der Analysen findet derzeit noch statt und wird dem Partnerunternehmen im Laufe der nächsten Wochen detailliert und passgenau für die Weiterbildungspräferenzen ihrer Mitarbeitenden übermittelt. Auch entwickelt sich das DigiREADY-Projekt stets weiter: Neben des im Projekt vorgesehenen inhaltlichen Freiraums, welcher den teilnehmenden Unternehmen in der genauen Konzeption gewährt wird, haben wir zum Ziel, in einem weiteren Partnerunternehmen noch stärker Teamstrukturen und Führungskräfteverhalten zu analysieren.

Das Projekt DigiREADY

Seit mehr als einem halben Jahr begleitet die AgenturQ gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Organisational Studies an der Universität Konstanz Unternehmen und Betriebsräte im Rahmen des Kooperationsprojektes DigiREADY. In dem Projekt geht es darum, die digitale Grundkompetenz der Beschäftigten zu stärken, indem konkrete Handlungsempfehlungen und Tools entwickelt werden, welche die Weiterbildungsangebote innerhalb des Unternehmens betreffen. Dabei ist es wichtig, das jeweilige Unternehmen einer individuellen Bedarfsanalyse zu unterziehen und sich den Status Quo anzuschauen, bevor konkrete Empfehlungen für die Führungskräfte und die Belegschaft gegeben werden können

Die Ergebnisse haben Ihre Neugier auf mehr geweckt? Wenn Sie mit Ihrem Unternehmen Teil des DigiREADY Projektes werden möchten und eine Handlungsempfehlung mit individueller Unterstützung und Beratung wünschen, melden Sie sich gerne für einen unverbindlichen Austausch bei Edda Glase (glase.agenturq.de) oder Kilian Hampel (kilian.hampel@uni-konstanz.de).


Digitalkompetenzen – eine Inventur

Das Instrument AiKomPass dient der Sichtbarmachung und Dokumentation informeller Kompetenzen. Es besticht bereits heute durch sein umfangreiches Inventar an fachlichen Aufgaben aus dem Berufsalltag sowie an Aufgaben aus dem Privatleben, aus denen die Nutzerinnen und Nutzer auswählen können. Sie selbst und auch ihre Führungskraft bekommen so einen Eindruck, welche Kompetenzen vorhanden sind und unter Umständen bisher unentdeckt geblieben sind. Warum die Sichtbarmachung und Dokumentation informeller Kompetenzen so wichtig ist, haben Patrick B. Fleck und verschiedene Gastautoren vor kurzem in unserem Blog dargelegt.

In unserem Projekt AiKomPassDigital ergänzen wir das bestehende Inventar nun um Digitalkompetenzen.  Wir sind uns sicher, dass viele zukünftig benötigte Digitalkompetenzen schon heute in den Unternehmen vorhanden sind. Durch die Selbstreflexion alltäglicher digitaler Tätigkeiten mittels des Instruments AiKomPass können wir uns die eigene digitale Affinität bewusst und zugleich sichtbar machen.

Wir kategorisieren digitale Tätigkeiten in Handlungsfelder, die uns eine übersichtliche und systematische Erfassung ermöglichen. Einen ersten Eindruck und Beispiele des so entstehenden Inventars digitaler Tätigkeiten soll Ihnen die folgende Grafik geben.

Anhand der vorgeschlagenen Systematisierung erfahren Nutzerinnen und Nutzer, wie digital sie sich bereits in den einzelnen Handlungsfelder bewegen. All das kann Unternehmen Aufschluss geben, wer sich bereits heute neuen digitalen Realitäten und Herausforderungen im Berufsalltag stellt. Ebenso können Hinweise gegeben werden, wo weiterer Bedarf an Qualifizierung und Unterstützung notwendig sein könnte.

Die Arbeit am Inventar ist noch lange nicht abgeschlossen. Wir sind offen und neugierig auf neue Beispiele digitaler Vorgehensweisen. Gerne können sich Unternehmen an der weiteren Entwicklung und Erprobung des neuen Inventars beteiligen und so als erstes von den Ergebnissen profitieren.

Das Projekt AiKomPassDigital wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg gefördert und läuft noch bis Ende 2021. Bei Interesse am Projekt, Vorschlägen oder auch Rückfragen wenden Sie sich sehr gerne unter fleck@agenturq.de oder 0711-3659188-18 an unseren Projektreferenten für AiKomPassDigital, Patrick B. Fleck.