Erfassung informeller Digitalkompetenzen mit dem AiKomPass-Digital


Der AiKomPass war schon mal Thema des AQ-Blogs, in dieser Ausgabe möchte ich mich seiner wieder annehmen. Wir erinnern uns: Mit der Entwicklung des AiKomPass wurde im Jahr 2012 begonnen, um seinerzeit auch eine Empfehlung der Enquetekommission „Fit fürs Leben“ umzusetzen. Nämlich einerseits gemeinsam mit den Tarifpartnern zu prüfen, „auf welche  Weise  mittelfristig  eine  Validierung  non-formal  und  informell  erworbener Kompetenzen erreicht werden kann“, andererseits „die Verzahnung von beruflicher, sozialer und personaler Qualifizierung sowie von formalem und non-formalem Lernen zu fördern.“

Vorteile der Sichtbarmachung informeller Kompetenzen

Die Validierung informeller Kompetenzen obliegt zwar den Kammern, doch der AiKomPass leistet mittlerweile einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarmachung und Dokumentation von im Privatleben oder am Arbeitsplatz erworbenen informellen Kompetenzen. Die Nutzung des AiKomPass ist für den Arbeitgeber von Vorteil, da er so von ansonsten für ihn nicht unmittelbar sichtbaren Kompetenzen seiner Mitarbeitenden erfährt und möglicherweise auf diesem Weg einen Teil seines Fachkräftebedarfs decken kann. Für die Mitarbeitenden ist die Nutzung des AiKomPass ebenso von Vorteil, da sich ausgehend von den vorhandenen informellen Kompetenzen weitergehende Qualifizierungsangebote eröffnen können. So kann zum Beispiel in einem Qualifizierungsgespräch gemeinsam mit dem Arbeitgeber geprüft werden, ob passende innerbetriebliche Qualifizierungsmaßnahmen belegt werden können, ob eine Teilqualifizierung (Eine TQ besser) angestrebt werden sollte, ob man einen möglicherweise vorhandenen ausländischen Berufsabschluss bei der IHK anerkennen lassen möchte oder ob sich Beschäftigte zu einer Externenprüfung anmelden sollten. Die Ergebnisse aus dem AiKomPass bieten zudem den Industrie- und Handelskammern eine wichtige Unterstützung, um im Projekt Valikom den passenden Referenzberuf zu finden.

Der AiKomPass ist seit 2014 online. Seitdem wurde er um den Bereich der Lagerlogistik und produktionsnahen Logistik ergänzt. Auch steht der AiKomPass mittlerweile online in den Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch und Schwedisch zur Verfügung. Nun steht eine große Revision bevor.

Dokumentation informeller Digitalkompetenzen

Fünf Jahre mögen vielleicht als nicht zu lange erscheinen, doch die Veränderungen in der Arbeitswelt erfolgen immer rascher, die Digitalisierung im Privatleben und am Arbeitsplatz nimmt stetig zu. Einfache Beispiele aus dem Privatleben machen die Veränderungen deutlich: Die Smartwatch von Apple kam erst 2015 auf den Markt, mittlerweile denken wir gänzlich anders über die Nutzung und Ausführung mobiler Endgeräte (und ihrer Daten). Und die stetigen Veränderungen werden uns auch weiterhin begleiten. So berichten Führungskräfte in einer repräsentativen Studie des Stifterverbands (2019), dass in fünf Jahren 76 Prozent der Beschäftigten grundlegende digitale Fähigkeiten beherrschen sollen. Mit dieser Entwicklung eng verbunden ist der Befund, dass in Industrie 4.0-Arbeitsprozessen die Bedeutung des Lernens am Arbeitsplatz ansteigt. Laut einer Studie des BMAS (2018) erwarten 95 % der Experten aus der Automobilindustrie, dass der Anteil an informellen, unternehmensinternen Lernen zukünftig zunimmt.

Um die Ergebnisse dieses informellen und unternehmensinternen Lernens dokumentieren zu können, braucht es Instrumente zur Sichtbarmachung und Dokumentierung wie z.B. unseren AiKomPass. Und diesen möchten wir in unserem neuen Projekt „AiKomPass-Digital“ fit machen für die neuen Herausforderungen der Digitalisierung und daher durch digitale Grund- und Fachkompetenzen ergänzen. Das Projekt wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau gefördert und in den kommenden zwei Jahren durch Patrick Fleck als zuständigen Projektreferenten in der AgenturQ betreut.

Neues Projekt der AgenturQ: AiKomPass-Digital

Herr Fleck wird in einem ersten Schritt die in den Ausbildungsordnungen der Metall- und Elektroindustrie definierten Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse der neuen Zusatzqualifikationen (Systemintegration, Prozessintegration, IT-gestützte Anlagenänderung, Additive Fertigungsverfahren, Digitale Vernetzung, Programmierung und IT-Sicherheit) in konkrete Tätigkeiten am Arbeitsplatz übersetzen. Selbiges gilt für die Ausbildungsinhalte der kaufmännischen Ausbildungsberufe, hierbei insbesondere in Bezug auf die Themen Datenschutz und Datensicherheit sowie Informationsmanagement. Die Erfahrungen zeigen, dass die Information über konkrete Kompetenzen über eine größere Validität verfügt, wenn sie anhand konkreter Tätigkeiten und nicht abstrakt über einen Kompetenzbegriff abgefragt wird. Ergänzt werden diese fachlichen Digitalkompetenzen in einem zweiten Schritt um überfachliche Kompetenzen wie zum Beispiel Digital Learning, Digital Literacy, Innovationsfähigkeit oder Offenheit. Auch diese Kompetenzen werden in konkrete Tätigkeiten übersetzt.

Dies alles kann Herr Fleck nicht alleine leisten. Er wird sich daher Partner aus der Betriebspraxis suchen, um mit ihnen die übersetzen Tätigkeitsbeschreibungen gemeinsam zu diskutieren und zu evaluieren. Experten sind Personalverantwortliche, Betriebsräte, Führungskräfte, Produktionsleiter sowie Ausbildungs- und Weiterbildungsverantwortliche. In insgesamt fünf Partnerunternehmen werden hierfür innerbetriebliche Fachgespräche und/oder Expertenworkshops durchgeführt. Ihre Anmerkungen sind hilfreich, um die Tätigkeiten anschließend aufgrund der Expertenmeinung zu überarbeiten und anschließend in das bestehende Online-Tool einzuarbeiten. Abschließend soll das überarbeitete Online-Tool in den Partnerunternehmen erprobt werden. Unser Ziel ist es, ein valides Instrument für die betriebliche Erfassung vorhandener informeller Digitalkompetenzen zu schaffen.

Ziele des AiKomPass-Digital

Warum machen wir das alles? Nach erfolgreicher Bearbeitung erhoffen wir durch das dann erweiterte Instrument AiKomPass auch einen Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs in IT-Berufspositionen zu leisten. Unternehmen haben große Mühen, freie Stellen in diesem Bereich fachgerecht zu besetzen. Für Berufe in der „Softwareentwicklung und Programmierung“ oder „IT-Systemanalyse, Anwenderberatung und IT-Vertrieb“ liegt auf dem Arbeitsmarkt ein bundesweiter Engpass vor. Gleichzeitig werden in den Unternehmen viele Mitarbeiter in Tätigkeiten beschäftigt, die künftig aufgrund der bevorstehenden Transformation des Arbeitsmarktes entfallen werden (z.B. Tätigkeiten in der Antriebsstrangtechnologie). Der AiKomPass soll auch dazu genutzt werden, ihre informellen Digitalkompetenzen sichtbar zu machen. Aufbauend auf den mittels des AiKomPass dokumentierten Digitalkompetenzen können den Mitarbeitern im Anschluss formale und non-formale Qualifizierungsmaßnahmen angeboten werden, um sie für neue Tätigkeiten in IT-Berufsbildpositionen weiterzubilden.

Potenzial liegt auch in den Beschäftigten ohne formalen Berufsabschluss. Im September 2018 waren dies in Baden-Württemberg immerhin 688.769 Personen, also rund 14,5 Prozent aller abhängig Beschäftigten. Diese Personen arbeiten teilweise jahre- oder gar jahrzehntelang in derselben Firma und haben durch ihre Tätigkeit nicht zu unterschätzende Digitalkompetenzen erworben. Diese müssen sichtbar gemacht werden, um im Anschluss zu prüfen, inwiefern passende abschlussbezogene Weiterbildungen angeboten werden können.

Gemeinsame Entwicklung mit Partnerunternehmen

Für das Projekt sind wir noch auf Partnersuche. Haben Sie Interesse, mehr zu erfahren über die informellen Kompetenzen Ihrer Kolleginnen und Kollegen bzw. Ihrer Mitarbeitenden? Dann warten Sie nicht bis zur Veröffentlichung des überarbeiteten Online-Tools im Sommer 2021, sondern beteiligen Sie sich bereits als Partnerunternehmen an der Erprobung. Ihr Zeitaufwand hält sich in Grenzen, eine Teilnahme ist für Sie kostenlos. Im Gegenzug erhalten Sie eine individuelle Begleitung durch Herrn Fleck, eine unternehmens- und – falls erwünscht – bereichsspezifische Ergebnisrückmeldung sowie für Ihr Unternehmen passgenau zugeschnittene weitere Beratungsangebote.

Haben Sie Interesse? Herr Fleck steht Ihnen für Ihre Fragen sehr gerne zur Verfügung. Sie erreichen ihn unter der Telefonnummer 0711-3659188-18 oder per Mail an fleck@agenturq.de.

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