Themenreihe „Prospektive Weiterbildung für Industrie 4.0“ – Interview HR


Wie in unserem letzten Blogbeitrag bereits thematisiert, geht das Projekt „Prospektive Weiterbildung für Industrie 4.0“ mit großen Schritten seinem Abschluss entgegen. Im Juli finden dazu drei Transferveranstaltungen sowie unsere Fachtagung statt. Darüber hinaus wollen wir dem Thema auch hier im Blog eine größere Aufmerksamkeit widmen. Die nächsten vier Beiträge stehen daher ganz im Fokus des Projekts und lassen beteiligte Akteure zu Wort kommen. Wir starten mit einem kurzen gemeinsamen Interview Herrn Gerwin Kohlbeckers, Leiter der Aus- und Weiterbildung bei der Daimler AG, Mercedes-Benz Werk Gaggenau sowie Frau Caroline Kraft, Mitarbeiterin in der Aus- und Weiterbildung am Standort.

 

AgenturQ: „Liebe Frau Kraft, lieber Herr Kohlbecker, was bedeutet für Sie prospektive Weiterbildung? Wodurch zeichnet sie sich aus?“
Kohlbecker/Kraft: „Es geht darum, mit Weitblick vorausschauend Veränderungen zu erkennen, zu bewerten und darauf aufbauend Konzepte für Weiterbildungen zu entwickeln. Das Ziel ist aktiv zu gestalten und zu agieren, anstatt auf Veränderungen erst zu reagieren, wenn diese bereits Fahrt aufgenommen haben.“

AgenturQ:Was würden Sie sagen hat das Projekt in Ihrem Unternehmen bewegt? Hat sich bspw. das Verständnis von Weiterbildung verändert?“
Kohlbecker/Kraft: „Im Rahmen des Projektes haben wir uns mit dem Zukunftsthema „Industrie 4.0“ intensiv aus Sicht der Weiterbildung beschäftigt. Führungskräfte und Mitarbeiter wurden interviewt, die Ergebnisse bewertet und viele Ideen für innovative Weiterbildungskonzepte entwickelt.“

AgenturQ: „Im Projekt wurden insgesamt sieben Weiterbildungsmodule konzipiert und erprobt. Finden Sie, dass die richtigen Themen ausgewählt wurden? Oder wünschen Sie sich im Nachhinein andere Themen? Sind andere Themen mit der Zeit wichtiger geworden?“
Kohlbecker/Kraft: „Die Module „Lernprozessbegleiter“ und „Nutzung mobile Endgeräte“ sind für uns nach wie vor relevant. Auf dieser Basis entwickeln wir beispielsweise weitere Qualifizierungsmodelle wie die „Fachkraft Industrie 4.0“. Themen wie z.B. Robotik sind bei uns bereits seit langem fest etabliert, für andere Unternehmen aber neu und spannend. In Summe ist der große Transformationsprozess „Digitalisierung und Industrie 4.0“ für den gesamten Industriestandort Baden-Württemberg mehr in den Fokus gerückt.“

AgenturQ: „Ganz allgemein zum Thema ‚Weiterbildung im Betrieb‘: Was hat sich da Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren/Jahrzehnten grundlegend geändert?“
Kohlbecker/Kraft: „Arbeitsumfeld und -inhalte unterliegen einem stetigen Wandel. Entsprechend verändern sich auch die Lerninhalte und -formate. Aus Präsenzschulungen mit eher frontalem Unterricht werden immer häufiger individuelle, webbasierte Trainings, blended learnings oder Lernvideos. Genau hier greift auch unser Konzept des „Lernprozessbegleiters“.“

AgenturQ: „Ein Ergebnis aus dem Projekt lautet: Wir haben keine Zeit. Wie kann man sich im Betriebsalltag Zeit freischaufeln, um die Weiterbildungsmodule umzusetzen?“
Kohlbecker: „Der Schlüssel sind Formate, die „Learning on Demand“ ermöglichen. Die Mitarbeiter haben so die Möglichkeit individuell Zeitpunkt, Ort und den Umfang der jeweiligen Lerneinheit selbst festzulegen. Davon profitieren beide Seiten.“

AgenturQ: „Haben Sie zu guter Letzt einen Tipp für Betriebe, die sich bzgl. einer Weiterbildung für die Zukunft gerade erst auf den Weg machen?“
Kohlbecker/Kraft: „Der erste Schritt ist, auf Basis einer strukturierten Bedarfserhebung ein Qualifizierungskonzept zu entwickeln und die sieben Schulungsmodule dabei entsprechend zu priorisieren. Unser Tipp wäre, die Module im Anschluss sukzessive einzuführen und dabei immer den tatsächlichen Bedarf im Auge zu behalten.“

AgenturQ: „Wir danken Ihnen beiden herzlich für das Gespräch!“

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